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Vergangene Veranstaltungen (Archiv) 2004

 

So, 25.1.2004
Matinee mit jüdischer Musik aus den böhmischen Ländern

Synagogenchöre und jiddische Lieder

Südmährische Sing- und Spielschar präsentiert jüdische Musik aus Böhmen und Mähren

Bei den Stichworten „Judentum“ und „Böhmen“ denkt man meist unwillkürlich an die sagenhafte Figur des Golem, ihren Schöpfer Rabbi Löw, an den Prager Kreis und Franz Kafka. Doch es gibt auch eine reiche jüdische Musiktradition der böhmischen Länder. Jüdische Kantoren komponierten hervorragende Musik für den synagogalen Gottesdienst. Jüdische Musiker spielten eine wichtige Rolle im böhmischen und mährischen Musikleben. Oft fanden sie auch – wie viele ihrer nichtjüdischen Musikerkollegen aus Böhmen, „dem Konservatorium Europas“ – eine Wirkungsstätte außerhalb ihrer Heimat.

Eine Gelegenheit für einen Einblick in die jüdische Musiktradition der böhmischen Länder bietet eine Matinee mit der Südmährischen Sing- und Spielschar Stuttgart (Leitung: Wolfram Hader).

Im ersten Teil des Programms erklingt synagogale Chormusik, die von Kantoren komponiert wurde, die aus den böhmischen Ländern stammen bzw. dort gewirkt haben. Die von der Südmährischen Sing- und Spielschar ausgewählten (zumeist deutschsprachigen) Chorsätze repräsentieren die Musiktradition des Reformjudentums in Böhmen und Mähren. Nur bei Reformgemeinden waren gemischte Chöre und Orgelmusik üblich; neben der hebräischen nahm auch die jeweilige Landessprache einen breiteren Raum im Gottesdienst ein.

Im zweiten Teil mit weltlicher jüdischer Musik stehen vier jiddische Lieder in Chorsätzen von Viktor Ullmann (*1898 im österreichisch-schlesischen Teschen) auf dem Programm, die der 1944 in Auschwitz ermordete Komponist in Theresienstadt geschrieben hat. Von der Rafinesse dieser Sätze des Schönberg-Schülers inspiriert sind die sieben jüdischen Tanzweisen „Horra-Nigunim“ für Streichensemble von Widmar Hader, deren Melodien Hader dem „Jüdischen Liederbuch“ (Jüdischer Verlag, Berlin 1930) entnahm, das auch Vorlage für Ullmanns jiddische Lieder war.

Lesungen von Texten jüdischer Autoren aus Böhmen und Mähren zwischen den Musikstücken runden das Programm ab und lassen ein anschauliches Bild jüdischen Lebens in den böhmischen Ländern erstehen.

Die Matinee wird veranstaltet von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth-Shalom München, dem Kulturreferent für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein und dem Sudetendeutschen Musikinstitut Regensburg.

Sonntag, 25.1.2004, um 11.00 Uhr im Adalbert-Stifter-Saal; Kulturforum im Sudetendeutschen Haus (Eintritt frei)

 

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