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Synagogenchöre und
jiddische Lieder
Südmährische Sing- und
Spielschar präsentiert jüdische Musik aus Böhmen und Mähren
Bei den Stichworten „Judentum“
und „Böhmen“ denkt man meist unwillkürlich an die sagenhafte Figur
des Golem, ihren Schöpfer Rabbi Löw, an den Prager Kreis und Franz
Kafka. Doch es gibt auch eine reiche jüdische Musiktradition der
böhmischen Länder. Jüdische Kantoren komponierten hervorragende
Musik für den synagogalen Gottesdienst. Jüdische Musiker spielten
eine wichtige Rolle im böhmischen und mährischen Musikleben. Oft
fanden sie auch – wie viele ihrer nichtjüdischen Musikerkollegen
aus Böhmen, „dem Konservatorium Europas“ – eine Wirkungsstätte außerhalb
ihrer Heimat.
Eine Gelegenheit für einen
Einblick in die jüdische Musiktradition der böhmischen Länder bietet
eine Matinee mit der Südmährischen Sing- und Spielschar Stuttgart
(Leitung: Wolfram Hader).
Im ersten Teil des Programms
erklingt synagogale Chormusik, die von Kantoren komponiert wurde,
die aus den böhmischen Ländern stammen bzw. dort gewirkt haben.
Die von der Südmährischen Sing- und Spielschar ausgewählten (zumeist
deutschsprachigen) Chorsätze repräsentieren die Musiktradition des
Reformjudentums in Böhmen und Mähren. Nur bei Reformgemeinden waren
gemischte Chöre und Orgelmusik üblich; neben der hebräischen nahm
auch die jeweilige Landessprache einen breiteren Raum im Gottesdienst
ein.
Im zweiten Teil mit weltlicher
jüdischer Musik stehen vier jiddische Lieder in Chorsätzen von Viktor
Ullmann (*1898 im österreichisch-schlesischen Teschen) auf dem Programm,
die der 1944 in Auschwitz ermordete Komponist in Theresienstadt
geschrieben hat. Von der Rafinesse dieser Sätze des Schönberg-Schülers
inspiriert sind die sieben jüdischen Tanzweisen „Horra-Nigunim“
für Streichensemble von Widmar Hader, deren Melodien Hader dem „Jüdischen
Liederbuch“ (Jüdischer Verlag, Berlin 1930) entnahm, das auch Vorlage
für Ullmanns jiddische Lieder war.
Lesungen von Texten jüdischer
Autoren aus Böhmen und Mähren zwischen den Musikstücken runden das
Programm ab und lassen ein anschauliches Bild jüdischen Lebens in
den böhmischen Ländern erstehen.
Die Matinee wird veranstaltet
von der Liberalen Jüdischen Gemeinde Beth-Shalom München, dem Kulturreferent
für die böhmischen Länder im Adalbert-Stifter-Verein und dem Sudetendeutschen
Musikinstitut Regensburg.
Sonntag, 25.1.2004, um 11.00 Uhr im Adalbert-Stifter-Saal; Kulturforum
im Sudetendeutschen Haus (Eintritt frei) |