|
Christa Anna Dvoraks 1997
in Passau erschienenes Buch Aus Böhmen vetrieben-aus Sachsen
geflohen-in Bayern heimisch geworden diente als Grundlage für
insgesamt drei Zeitzeugengespräche an Gymnasien in Landau und Cham.
Vom 5.-7. Mai berichtete
Christa Anna Dvorak geb. Tietz nach einer kurzen historischen Einleitung
von Kulturreferent Wolfgang Schwarz am Gymnasium Landau/Isar und
am Fraunhofer-Gymnasium Cham über ihre Erfahrungen nach 1945. Die
gebürtige Gablonzerin zog mit ihrer Familie im Alter von acht Jahren
nach Reichenberg (Liberec), im Mai 1945 musste Familie Tietz die
Stadt innerhalb von zwei Stunden verlassen. Über Zittau, Pirna und
das völlig zerstörte Dresden gelangte sie schließlich nach Lammsdorf
nicht weit von der Lutherstadt Wittenberg, wo sie auf einem
Bauernhof Unterschlup
fanden. Da sich der Vater weigerte, in die kommunistische SED einzutreten,
sah sich die Familie zahlreichen Schikanen ausgesetzt: so mussten
Vater und Mutter Tietz u. a. schwere Demontage-Arbeiten in Wittenberg
verrichten, Christa Anna konnte nicht das Gymnasium besuchen. 1949
gelang mit Hilfe eines Schleusers die Flucht über die deutsch-deutsche
Zonengrenze über Osterwieck nach Vienenburg. Damit war jedoch keineswegs
der Neuanfang geschafft: es drohte die unverzügliche Rückführung
in die Ostzone auf Grund illegaler Einreise. Im Flüchtlingslager
Furth im Wald an der deutsch-tschechischen Grenze konnte die Familie
schließlich jedoch bleiben und bewohnte für einige Zeit mit 12 weiteren
Personen zusammen einen dunklen, engen Raum. Christa Anna Dvorak
heiratete 1954 und verließ das Lager Richtung Cham, drei Jahre später
konnten Eltern und ihre Schwester folgen.
Christa Anna Dvorak ist
die Ehefrau des 2002 verstorbenen, bekannten Klostermann-Übersetzers
Gerold Dvorak. Sie engagiert sich im Klostermann-Verein Grafenau
und lebt heute in Neuburg/Inn in der Nähe von Passau.
|