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Nachdem in den vergangenen
beiden Jahren zweimal das Egerland bereist wurde, wurde in diesem
Jahr Südböhmen bzw. der Böhmerwald zum Reiseziel von insgesamt 22
Studenten des Bohemicums der Unis Regensburg-Passau und weiteren
Böhmen-Begeisterten.
Nach der Fahrt entlang
des Goldenen Steigs, der historischen Salz- und Handelsstraße, über
Eleonorenhain (Lenora), Wallern (Volary) und weiter über Kalsching
(Chvalsiny) steuerten wir als erstes Krummau (Český Krumlov) an,
oft als Perle Südböhmens oder böhmisches Rothenburg
bezeichnet. Das 17000-Einwohner-Städtchen, das einst direkt an der
Grenze zwischen Protektorat und den 1938 durch das Münchner Abkommen
angegliederte Sudetenland (in diesem befindlich) lag, bezauberte
mit seinen verwinkelten Gässchen in abendlicher Atmosphäre. Das
Schloss Krummau, die Stadtdominante und zweitgrößte Denkmalanlage
Tschechiens nach der Prager Burg, mit seinem bekannten Maskensaal
wurde am Freitag vormittag besichtigt. Die Gründung des Schlosses
geht auf das 13. Jahrhundert zurück, drei Adelsgeschlechter beherrschten
und prägten es: die Rosenberger (1302-1602) als Nachfahren der bekannten
Wittigonen, die steirischen Eggenberger (1622-1719) und schließlich
die Schwarzenberger (1719-1945). Für eine kurze Zeit zu Beginn des
17.Jhd. waren auch die Habsburger im Besitz des Schlosses, diese
Zeit blieb den Krummauern allerdings in größtenteils schlechter
Erinnerung: damals trieb der geisteskranke Sohn von Kaiser Rudolf
II., der bekannte Don Juan d'Austria sein Unwesen, was in der Ermordung
seiner Geliebten, einer Baderstochter gipfelte.
Architektonische und kunstgeschichtliche
Spuren der Gotik, der italienischen Renaissance und des Barock sind
auf den fünf Schlosshöfen zu finden. Ein anschließender Stadtrundgang
verdeutlichte, dass Krummau bis Mitte des 16. Jhd. noch aus zwei
Teilen, dem Latron unmittelbar unterhalb der Burg,
sowie der Altstadt (Staré Mesto), die sich auf
dem Moldauufer gegenüber befindet, bestand. Giebel-verzierte Renaissance-
und Barockhäuser, errichtet von finanzkräftigen oder adeligen Stadtbewohnern,
wechseln sich mit hübschen Handwerker-Häuschen ab. Das Stadtbild
musste sich zwangsläufig an die kurvigen Moldauschleifen anpassen,
hat sich aber im Grundsatz seit dem 19.Jhd. nicht mehr verändert.
Verheerende Hochwasser, zuletzt im Jahr 2002, richteten oft schlimme
Verwüstungen an. Eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Stadt
und ihres Schulwesens spielten auch die Jesuiten mit dem von ihnen
errichteten Kolleg (heute Hotel Rose, in dem die Aufstellung einer
Beneš-Statue mit einem Text, der vor einer angeblichen Rückkehr
der Sudetendeutschen warnt, für Irritationen in den deutsch-tschechischen
Beziehungen sorgte) und dem Gymnasium (heute ein vorzügliches und
interessantes Regionalmuseum). Ein Erlebnis war der Auftritt der
Musikgruppe Mokrý hadr (Nasser Lappen) in der Roma-Kneipe
Cikánská jizba (Zigeunerstube), die mit traditionellen Liedern so
richtig einheizte.
Krummau
mit Schlossturm, Veitskirche und reizvollen engen Gassen
Von der Burg Rosenberg
(Rožmberk) ist nur die oftmals umgebaute Unterburg erhalten, an
die im 15. Jhd. abgebrannte Oberburg erinnert nur noch der erhaltene
Jakobinerturm. Äußerst sehenswert waren die im 13. Jhd. entstandenen
Zisterzienser-Klöster Hohenfurth (Vyšší Brod) und Goldenkron (Zlatá
Koruna) mit beeindruckenden Bibliotheken, Klosterkirchen und Kreuzgängen.
In ihrem Besitz befanden sich einst große Ländereien der Region,
mehrere Dorf- und Stadtgründungen gehen auf die Klöster zurück.
Die Teufelsmauer (Čertová stěna) bei Kienberg (Loučovice), ein Abhang
mit in der Eiszeit entstandenen Granitblöcken an der Moldau, um
die sich viele Sagen ranken, war den Besuch ebenfalls wert: Friedrich
Smetana (musika-lisch in der gleichnamigen Oper) und Adalbert Stifter
(in Landschaftsbildern) verarbeiteten sie in ihren Werken.
Kloster Hohenfurth
Burg Rosenberg
Rosenberg
Neben den geistlichen
Zentren der Region standen auch ein wirtschaftliches auf dem Programm,
die noch immer staatliche Brauerei Budvar/Budweiser, die mit ihrem
amerikanischen Konkurrenten des Konsortiums Anheuser-Busch nur den
Namen gemeinsam hat; mehrere Prozesse in der Vergangenheit um die
Verwendung der Bezeichnung auf internationalen Absatzmärkten sind
bereits gelaufen. Zuvor beeindruckte uns ein kurzer Stadtrundgang
durch Budweis (České Budějovice) über den riesigen, quadratischen
Stadtplatz mit Samsonbrunnen und wunderschönen Laubengängen. Ein
weiterer Höhepunkt der Reise: das im englischen Tudor-Gotik-Stil
umgebaute Schloss Frauenberg (Hluboká), ab dem 19.Jhd Hauptresidenz
der Fürsten von Schwarzenberg. Angesichts der auch wunderschönen
Innenausstattung des Schlosses mit Holzverkleidungen, Bildgalerien
und wertvollen Kronleuchtern kann man für die wie am Fließband abgewickelten
Führungen ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen.
Schloss Frauenberg
Rathaus von Budweis
Bei Frauenberg
Auf dem Weg nach Hause
machte die Gruppe kurz Station bei der Burgruine Kugelwaid (Kuklov)
und im UNESCO-geschützten Bauernbarock-Dorf
Hollaschowitz (Holašovice).
In Husinetz (Husinec) bei Prachatitz wurde Jan Hus geboren, der
große böhmische Reformator, der 1415 auf dem Konzil von Konstanz
zum Tod durch Verbrennung verurteilt wurde. Sein Geburtshaus, dessen
Original seit Mitte des 19.Jhd. nicht mehr steht, beherbergt eine
Ausstellung, die Hussens Lebenswerk kurz dokumentiert. Den Marktplatz
von Prachatitz (Prachatice), der letzten Station der Reise, betritt
man am besten durch das Piseker Tor, auch die Jakobskirche, an der
sich angeblich die Nürnberger Frauenkirche architektonisch orientiert
hat, befindet sich im Stadtzentrum.

Die Teilnehmer der Reise
Im nächsten Jahr soll
die Fahrt in das östliche Südböhmen führen, u. a. nach Wittingau
(Třebon) und Neuhaus (Jindřichův Hradec), wo sich zwei weitere Schloss-
und Burganlagen der Rosenberger befinden, ebenso in die von den
Hussiten gegründete Stadt Tábor.
© Fotos: Petra
Schwarz
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