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Die südböhmische
Teichlandschaft um Třeboň (Wittingau) war Anlaufziel der IV. Studienreise
mit aktuellen und ehemaligen Studenten des Bohemicums, das als einjährige
Zusatzausbildung an den Universitäten Regensburg und Passau angeboten
wird und Kenntnisse der tschechischen Sprache und Kultur vermittelt.
Ein Zwischenhalt wurde in Horní Planá (Oberplan) eingelegt, wo das
Geburtshaus von Adalbert Stifter besichtigt wurde, das mit informativen
Ausstellungen zu Leben und Werk des Schriftstellers und Landschaftsmalers
glänzt, dessen 200. Geburtstag im Jahr 2005 gefeiert wurde.
Im Kurstädtchen Třeboň
wurde am ersten Tag das Renaissance-Schloss (1562) besichtigt, dessen
Bau die in Südböhmen dominierenden Rosenberger und Schwarzenberger
geprägt haben und in dem heute eines der wichtigsten Regional-Archive
Tschechiens beheimatet ist. Die Stadt ist von großen Teichen wie
dem Weltteich (Svět) und Rosenberger Teich (Rožmberk) umgeben, die
in der 2. Hälfte des 16. Jhd. vom Rosenberger Herrschaftsverwalter
Jakub Krčín von Jeltschan angelegt wurden und Bestandteil eines
genau ausgeklügelten Teichbewirtschaftungssystems zum Zweck der
Fischzucht sind. Das Abfischen - häufig hat dies Prozedur auch Volksfestcharakter
- des Teichs Dvořiště am Nachmittag war besonders interessant, Herr
Sedlaček von den örtlichen Fischbetrieben (Rybářství Třeboň) erklärte
die anspruchsvolle Vorbereitung und Durchführung sowie das Ritual
der Aufnahme in die Fischer-Zunft. 90 % der gefangenen Fische waren
Karpfen, das in den meisten tschechischen Familien zu Heiligabend
gereichte Abendessen, aber auch Zander und Barsche verfingen sich
in den Netzen.
Abfischen des Teiches
Dvořiště
Třeboň (Wittingau)
Fortgesetzt wurde das
Programm mit dem Besuch des Žižka-Geburtsorts Trocnov, in dem noch
Reste des Gutshofes erhalten sind, wo der Hussitenführer Jan Žižka
seine Kindheit verbrachte. Ein monumentales Denkmal erinnert an
den Zeit seines Lebens unbesiegten Heerführer. Der einst stark verfallene,
von den Jesuiten im 17. Jhd. geschaffene Passionsweg von Řimov (Rimau)
mit seinen 25 im Stil des Volksbarocks gestalteten Kapellchen ist
zum Teil schon wieder restauriert. Die geographische Anordnung der
einzelnen Stationen in der Landschaft orientierte sich am bekannten
Vorbild in Jerusalem. Řimov ist auch Wallfahrtsort mit einer Loreto-Kapelle
und einem Kreuzgang, dessen Fresken u. a. böhmische und schlesische
Wallfahrtsorte darstellen.

Station des Passionswegs
Řimov Žižka-Denkmal in Trocnov
Zwei der wichtigsten
Städte Südböhmens, Jindřichův Hradec (Neuhaus) und Tábor, wurden
am Samstag besucht. Erstere verfügt ebenfalls über ein wunderschönes
Schloss, den nach Prag und Krummau drittgrößten Komplex der Tschechischen
Republik. Gotische, Renaissance- und Barock-Elemente haben sich
im Bau erhalten. Die Herren von Neuhaus, ein Zweig des Rosenberger-Geschlechts
starben 1604 aus, ihnen folgten die Slawatas von Chlum und später
die urspr. aus Franken stammenden Schwarzenberger. Ein kurzer Halt
wurde beim idyllisch gelegenen Wasserschloss Červená Lhota eingelegt,
das durch tschechische Märchenfilme wie Zlatovláska bekannt
wurde.
Die Altstadt von Tábor,
1420 von Jan Žižka gegründet, mit ihren aus wehrtechnischen Gründen
so angelegten verwinkelten Gassen weist eine Besonderheit auf: unterirdische
Gänge, die die Keller der im Stadtkern gelegenen Häuser verbinden.
Einst dienten sie als Verstecke, die Keller wurden zur Lebensmittel-
und Bierlagerung genutzt, aber auch ein Gefängnis für "vorlaute"
Frauen befand sich früher darunter. Ein großer Teil des 800
m langen Wegenetzes ist seit 1947 zur Besichtigung freigegeben.
Von der historischen Burganlage Kotnov hat sich nur ein Rundturm
erhalten, im Alten Rathaus befindet sich das 1878 eröffnete Hussitenmuseum
mit vielen Informationen zum Kirchenreformer Jan Hus, zu Jan Žižka
und den Hussitenkriegern. Die bekannte Wagenburg-Strategie war einer
der Garanten der anfänglichen militärischen Erfolge der Hussiten.
Schloss Červená Lhota und Žižka-Platz mit Altem
Rathaus in Tábor
Am letzten Tag stand ein
Besuch des Wehrdorfs Žumberk (Sonnberg) an, eine von nur drei vergleichbaren,
in Mitteleuropa gelegenen Anlagen. Landadelige hatten ihre kleine
Residenz und das Dorf schon seit dem 14. Jhd. befestigt, später
wurde alles mit einer Mauer und sechs Türmen umgeben, von denen
noch fünf erhalten sind. 1971-1974 wurden das kleine Dorfschloss
und die Wehranlage noch einmal restauriert und fungieren seitdem
als Museum, in dem u. a. eine Ausstellung von Barockmöbeln zu besichtigen
ist. Letzte Station war Nové Hrady (Gratzen) mit seinen drei Herrschaftsitzen
(Burg, Residenz und neues Empire-Schloss) der Buquoys, einer einst
in Südböhmen mit großen Besitzungen ausgestatteten Adelsfamilie.
Das 1677 gegründete Servitenkloster wurde nach 1945 u. a. als Gefängnis
genutzt und war bis 1989 stark beschädigt, ist aber Mitte der 90er
Jahre einer Generalrenovierung unterzogen worden und erstrahlt ebenso
wie die Klosterkirche Peter und Paul in neuem Glanz. Die Gräfin
Theresia von Buquoy ließ unweit der Stadt 1756 einen englischen
Park anlegen, der später um ein Kurhaus und einen künstlichen Wasserfall
erweitert wurde. Nach einem Spaziergang in der herbstlichen Parkanlage
wurde die Heimreise angetreten.

Das Wehrdorf Žumberk
Im Park Theresienthal

Die
Teilnehmer der Reise beim Žižka-Denkmal in Tábor
Fotos und Bericht: ©
Wolfgang Schwarz
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