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Veranstaltungen

 

27.-30.10.2005
Studienreise nach Südböhmen

Die südböhmische Teichlandschaft um Třeboň (Wittingau) war Anlaufziel der IV. Studienreise mit aktuellen und ehemaligen Studenten des Bohemicums, das als einjährige Zusatzausbildung an den Universitäten Regensburg und Passau angeboten wird und Kenntnisse der tschechischen Sprache und Kultur vermittelt. Ein Zwischenhalt wurde in Horní Planá (Oberplan) eingelegt, wo das Geburtshaus von Adalbert Stifter besichtigt wurde, das mit informativen Ausstellungen zu Leben und Werk des Schriftstellers und Landschaftsmalers glänzt, dessen 200. Geburtstag im Jahr 2005 gefeiert wurde.

Im Kurstädtchen Třeboň wurde am ersten Tag das Renaissance-Schloss (1562) besichtigt, dessen Bau die in Südböhmen dominierenden Rosenberger und Schwarzenberger geprägt haben und in dem heute eines der wichtigsten Regional-Archive Tschechiens beheimatet ist. Die Stadt ist von großen Teichen wie dem Weltteich (Svět) und Rosenberger Teich (Rožmberk) umgeben, die in der 2. Hälfte des 16. Jhd. vom Rosenberger Herrschaftsverwalter Jakub Krčín von Jeltschan angelegt wurden und Bestandteil eines genau ausgeklügelten Teichbewirtschaftungssystems zum Zweck der Fischzucht sind. Das Abfischen - häufig hat dies Prozedur auch Volksfestcharakter - des Teichs Dvořiště am Nachmittag war besonders interessant, Herr Sedlaček von den örtlichen Fischbetrieben (Rybářství Třeboň) erklärte die anspruchsvolle Vorbereitung und Durchführung sowie das Ritual der Aufnahme in die Fischer-Zunft. 90 % der gefangenen Fische waren Karpfen, das in den meisten tschechischen Familien zu Heiligabend gereichte Abendessen, aber auch Zander und Barsche verfingen sich in den Netzen.

 

     

           Abfischen des Teiches Dvořiště               Třeboň (Wittingau)

 

Fortgesetzt wurde das Programm mit dem Besuch des Žižka-Geburtsorts Trocnov, in dem noch Reste des Gutshofes erhalten sind, wo der Hussitenführer Jan Žižka seine Kindheit verbrachte. Ein monumentales Denkmal erinnert an den Zeit seines Lebens unbesiegten Heerführer. Der einst stark verfallene, von den Jesuiten im 17. Jhd. geschaffene Passionsweg von Řimov (Rimau) mit seinen 25 im Stil des Volksbarocks gestalteten Kapellchen ist zum Teil schon wieder restauriert. Die geographische Anordnung der einzelnen Stationen in der Landschaft orientierte sich am bekannten Vorbild in Jerusalem. Řimov ist auch Wallfahrtsort mit einer Loreto-Kapelle und einem Kreuzgang, dessen Fresken u. a. böhmische und schlesische Wallfahrtsorte darstellen.

 

               

          Station des Passionswegs Řimov      Žižka-Denkmal in Trocnov

 

Zwei der wichtigsten Städte Südböhmens, Jindřichův Hradec (Neuhaus) und Tábor, wurden am Samstag besucht. Erstere verfügt ebenfalls über ein wunderschönes Schloss, den nach Prag und Krummau drittgrößten Komplex der Tschechischen Republik. Gotische, Renaissance- und Barock-Elemente haben sich im Bau erhalten. Die Herren von Neuhaus, ein Zweig des Rosenberger-Geschlechts starben 1604 aus, ihnen folgten die Slawatas von Chlum und später die urspr. aus Franken stammenden Schwarzenberger. Ein kurzer Halt wurde beim idyllisch gelegenen Wasserschloss Červená Lhota eingelegt, das durch tschechische Märchenfilme wie Zlatovláska bekannt wurde.

Die Altstadt von Tábor, 1420 von Jan Žižka gegründet, mit ihren aus wehrtechnischen Gründen so angelegten verwinkelten Gassen weist eine Besonderheit auf: unterirdische Gänge, die die Keller der im Stadtkern gelegenen Häuser verbinden. Einst dienten sie als Verstecke, die Keller wurden zur Lebensmittel- und Bierlagerung genutzt, aber auch ein Gefängnis für "vorlaute" Frauen befand sich früher darunter. Ein großer Teil des 800 m langen Wegenetzes ist seit 1947 zur Besichtigung freigegeben. Von der historischen Burganlage Kotnov hat sich nur ein Rundturm erhalten, im Alten Rathaus befindet sich das 1878 eröffnete Hussitenmuseum mit vielen Informationen zum Kirchenreformer Jan Hus, zu Jan Žižka und den Hussitenkriegern. Die bekannte Wagenburg-Strategie war einer der Garanten der anfänglichen militärischen Erfolge der Hussiten.

 

   

      Schloss Červená Lhota und Žižka-Platz mit Altem Rathaus in Tábor                    

Am letzten Tag stand ein Besuch des Wehrdorfs Žumberk (Sonnberg) an, eine von nur drei vergleichbaren, in Mitteleuropa gelegenen Anlagen. Landadelige hatten ihre kleine Residenz und das Dorf schon seit dem 14. Jhd. befestigt, später wurde alles mit einer Mauer und sechs Türmen umgeben, von denen noch fünf erhalten sind. 1971-1974 wurden das kleine Dorfschloss und die Wehranlage noch einmal restauriert und fungieren seitdem als Museum, in dem u. a. eine Ausstellung von Barockmöbeln zu besichtigen ist. Letzte Station war Nové Hrady (Gratzen) mit seinen drei Herrschaftsitzen (Burg, Residenz und neues Empire-Schloss) der Buquoys, einer einst in Südböhmen mit großen Besitzungen ausgestatteten Adelsfamilie. Das 1677 gegründete Servitenkloster wurde nach 1945 u. a. als Gefängnis genutzt und war bis 1989 stark beschädigt, ist aber Mitte der 90er Jahre einer Generalrenovierung unterzogen worden und erstrahlt ebenso wie die Klosterkirche Peter und Paul in neuem Glanz. Die Gräfin Theresia von Buquoy ließ unweit der Stadt 1756 einen englischen Park anlegen, der später um ein Kurhaus und einen künstlichen Wasserfall erweitert wurde. Nach einem Spaziergang in der herbstlichen Parkanlage wurde die Heimreise angetreten.

 

    

           Das Wehrdorf Žumberk                      Im Park Theresienthal

 

         

Die Teilnehmer der Reise beim Žižka-Denkmal in Tábor

 

Fotos und Bericht: © Wolfgang Schwarz


 

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