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Die Studienreise hatte
zum Ziel, das 1742 in einen preußischen und einen österreichischen
Teil aufgeteilte Schlesien als ganzes zu bergreifen und kulturell-historische
Verbindungen aufzuzeigen. Sie nahm - schon fast traditionsgemäß
- ihren Anfang im Schlesischen Museum Görlitz, wo Kulturreferent
Tobias Weger die Ausstellung "Werkstätten der Moderne - Schüler
und Lehrer der Breslauer Akademie 1903-1932" erläuterte. Am
nächsten Morgen ging es dann über Zgorzelec und Grottkau (Grodków)
nach Neisse (Nysa). Die dortige St. Jakobs-Kirche mit ihrem riesigen
Langhausdach ist ein Kleinod der schlesischen Backsteingotik und
eines der noch erhaltenen Kulturdenkmäler der Stadt, die zu großen
Teilen in den letzten Kriegstagen 1945 zerstört wurde. Ebenfalls
erhalten haben sich die imposante, mit barocken Fresken ausgestattete
Peter-und Paul-Kirche sowie die Jesuitenkirche vom Ende des 17.Jhd.
mit Kollegium und Gymnasium. Auch das Grab eines der größten deutschen
Dichters, Joseph von Eichendorff, auf dem Neisser Friedhof wurde
besucht.
Das schlesische
Rothenburg Patschkau (Paczków), wo sich große Teile der Stadtmauern
erhalten haben, mit seiner über ihm thronenden Wehrkirche war nächster
Anlaufpunkt. Diese Kirche weist eine Besonderheit auf: im Inneren
befindet sich ein Brunnen, der bei einem Angriff den flüchtenden
und umzingelten Gläubigen die Trinkwasserversorgung sicherstellte.
Ein erster Abstecher über die tschechische Grenze führte nach Jauernig
(Javorník) auf das dortige Schloss Johannesberg, die Sommerresidenz
der Breslauer Bischöfe. Die Fahrt an der heutigen polnisch-tschechischen
Grenze machte deutlich, dass die Teilungslinie von 1742 durch einige
Grenzdörfer direkt hindurch führte. Maria Theresia soll nach der
Teilung Schlesiens über die Preußen geklagt haben: "Den
Zaun haben sie uns gelassen, den Garten aber genommen."
Das Bergbaumuseum der
1224 gegründeten Gold-Stadt Zuckmantel (Zlaté Hory) war am Sonntag
erste Station der Reise in Mährisch-Schlesien. Hier befindet sich
auch das Geburtshaus von Franz Schuberts Mutter, Elisabeth Vietz.
Nur wenige Kilometer entfernt auf dem Althackelsberg steht die Wallfahrtskirche
Maria Hilf, die 1973 völlig zerstört und Mitte der neunziger Jahre
mit Hilfe vieler deutscher, polnischer und tschechischer Spendengelder
wieder aufgebaut wurde. In Reihwiesen (Rejvíz) wurde in der dortigen
Pension mit ihren bekannten Stammgast-Stühlen dem ehemaligen Gasthof
zum Seehirten, geschnitzt von Alfred Brauner, Mittag gegessen und
anschließend zum Großen Sühnteich (Velké mechové jezero) gewandert.
Der Einheimische Sotiris Joanidis erläuterte zu Brauners Schnitzkunst
die Hintergründe.
In Freiwaldau-Gräfenberg
(Lázně Jeseník) informierte sich die Reisegruppe im dortigen Museum
über die Geschichte des Begründers der Natur- und Wasserheilkunde,
Vinzenz Prießnitz, der bereits vor dem bekannteren Sebastian Kneipp
die heilende Wirkung von Wasser, heißen Wickeln und Trinkkuren erkannte.
Durch Troppau (Opava)
und Jägerndorf (Krnov) führte die Tour am Rande des östlichen Altvatergebirges.
In Troppau, der ehemaligen Landeshauptstadt Österreich-Schlesiens,
dominierte lange der deutschen Ritterorden, ebenso war die Stadt
auch Zentrum des gleichnamigen Herzogtums, das die Liechtensteiner
Fürsten seit 1614 innehatten. Nach Zwischenstationen im Geburtshaus
des Bauernbefreiers Hans Kudlich in Lobenstein (Uvalno) und auf
dem Aussichtsturm auf dem Burgberg (Cvilín) führte uns Boris Míček,
Professor an der Orgelbau-Fachschule in Jägerndorf, durch das Traditions-Orgelbau-Unternehmen
Rieger. Míček erklärte u. a. die Herstellung von Orgelpfeifen, die
Verwendung von Zinn und Holz, die Herstellung der Register und bot
zum Schluss ein wunderbares Kurzkonzert.
Am vorletzten Tag wurde
zunächst die bekannte Papierfabrik in Großullersdorf (Velké Losiny)
besichtigt. Die Gebirgsregionen Böhmens und Mährens waren auf Grund
ihres klaren Wassers einst Zentren der Papierherstellung. Heute
ist die dortige Papierfabrik die einzige in Tschechien, in der die
Papiererzeugung noch in alter Manufaktur-Tradition erfolgt und demonstriert
wird. Die leider etwas verregnete Wanderung zum Altvater (Praděd)
von der Schäferei (Ovčárna) aus fand dann am Nachmittag statt. Mit
einem Besuch im Begegnungszentrum Mährisch-Schönberg (Šumperk) und
einem Gespräch mit dem dortigen Leiter Walter Sitte über die deutsche
Minderheit in Tschechien und die aktuelle politische Situation wurde
die Reise abgeschlossen. Über Friedeberg (Žulová) mit seiner auf
dem historischen Burggelände errichteten Martins-Kirche führte die
Rückfahrt am Mittwoch morgen wieder zurück nach Görlitz.
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Neisse,
St. Jakobus mit
unvollendetem
Glockenturm (links)

Die
Wehrkirche von Patschkau

Schloss
Johannesberg in Jauernig. Sommerresidenz der Breslauer Bischöfe
mit einer
großen Pfeifensammlung

Die von
Alfred Brauner geschnitzten Stammgast-Stühle in der Pension Rejvíz
in Reihwiesen

Die Hl.
Quelle bei der Wallfahrtskirche von Maria Hilf auf dem
Querberg überlebte als einzige die komplette Zerstörung der Kirche
von 1973

Maria-Schmerz-Kirche
und Liechtenstein-Warte auf dem Burgberg

Troppauer
Jesuitenkirche (St. Adalbert, früher St. Georg) am Niederring, links
ehemaliges Jesuiten-Gymnasium, rechts die ehemalige Statthalterei

Prof. Boris
Míček aus Jägerndorf
 
Turm auf
dem Altvater, Grenzstein,
der die
einstige Herrschaftsgrenze des Ritterordens, des Breslauer Bistums
und der Zierotins markiert
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