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Veranstaltungen 2004

 

1.7.-7.7.04
Grenzüberschreitende Studienreise ins Neisser Bistumsland/Altvatergebirge

Die Studienreise hatte zum Ziel, das 1742 in einen preußischen und einen österreichischen Teil aufgeteilte Schlesien als ganzes zu bergreifen und kulturell-historische Verbindungen aufzuzeigen. Sie nahm - schon fast traditionsgemäß - ihren Anfang im Schlesischen Museum Görlitz, wo Kulturreferent Tobias Weger die Ausstellung "Werkstätten der Moderne - Schüler und Lehrer der Breslauer Akademie 1903-1932" erläuterte. Am nächsten Morgen ging es dann über Zgorzelec und Grottkau (Grodków) nach Neisse (Nysa). Die dortige St. Jakobs-Kirche mit ihrem riesigen Langhausdach ist ein Kleinod der schlesischen Backsteingotik und eines der noch erhaltenen Kulturdenkmäler der Stadt, die zu großen Teilen in den letzten Kriegstagen 1945 zerstört wurde. Ebenfalls erhalten haben sich die imposante, mit barocken Fresken ausgestattete Peter-und Paul-Kirche sowie die Jesuitenkirche vom Ende des 17.Jhd. mit Kollegium und Gymnasium. Auch das Grab eines der größten deutschen Dichters, Joseph von Eichendorff, auf dem Neisser Friedhof wurde besucht.

Das schlesische Rothenburg Patschkau (Paczków), wo sich große Teile der Stadtmauern erhalten haben, mit seiner über ihm thronenden Wehrkirche war nächster Anlaufpunkt. Diese Kirche weist eine Besonderheit auf: im Inneren befindet sich ein Brunnen, der bei einem Angriff den flüchtenden und umzingelten Gläubigen die Trinkwasserversorgung sicherstellte. Ein erster Abstecher über die tschechische Grenze führte nach Jauernig (Javorník) auf das dortige Schloss Johannesberg, die Sommerresidenz der Breslauer Bischöfe. Die Fahrt an der heutigen polnisch-tschechischen Grenze machte deutlich, dass die Teilungslinie von 1742 durch einige Grenzdörfer direkt hindurch führte. Maria Theresia soll nach der Teilung Schlesiens über die Preußen geklagt haben: "Den Zaun haben sie uns gelassen, den Garten aber genommen."

Das Bergbaumuseum der 1224 gegründeten Gold-Stadt Zuckmantel (Zlaté Hory) war am Sonntag erste Station der Reise in Mährisch-Schlesien. Hier befindet sich auch das Geburtshaus von Franz Schuberts Mutter, Elisabeth Vietz. Nur wenige Kilometer entfernt auf dem Althackelsberg steht die Wallfahrtskirche Maria Hilf, die 1973 völlig zerstört und Mitte der neunziger Jahre mit Hilfe vieler deutscher, polnischer und tschechischer Spendengelder wieder aufgebaut wurde. In Reihwiesen (Rejvíz) wurde in der dortigen Pension mit ihren bekannten Stammgast-Stühlen dem ehemaligen Gasthof zum Seehirten, geschnitzt von Alfred Brauner, Mittag gegessen und anschließend zum Großen Sühnteich (Velké mechové jezero) gewandert. Der Einheimische Sotiris Joanidis erläuterte zu Brauners Schnitzkunst die Hintergründe.

In Freiwaldau-Gräfenberg (Lázně Jeseník) informierte sich die Reisegruppe im dortigen Museum über die Geschichte des Begründers der Natur- und Wasserheilkunde, Vinzenz Prießnitz, der bereits vor dem bekannteren Sebastian Kneipp die heilende Wirkung von Wasser, heißen Wickeln und Trinkkuren erkannte.

Durch Troppau (Opava) und Jägerndorf (Krnov) führte die Tour am Rande des östlichen Altvatergebirges. In Troppau, der ehemaligen Landeshauptstadt Österreich-Schlesiens, dominierte lange der deutschen Ritterorden, ebenso war die Stadt auch Zentrum des gleichnamigen Herzogtums, das die Liechtensteiner Fürsten seit 1614 innehatten. Nach Zwischenstationen im Geburtshaus des Bauernbefreiers Hans Kudlich in Lobenstein (Uvalno) und auf dem Aussichtsturm auf dem Burgberg (Cvilín) führte uns Boris Míček, Professor an der Orgelbau-Fachschule in Jägerndorf, durch das Traditions-Orgelbau-Unternehmen Rieger. Míček erklärte u. a. die Herstellung von Orgelpfeifen, die Verwendung von Zinn und Holz, die Herstellung der Register und bot zum Schluss ein wunderbares Kurzkonzert.

Am vorletzten Tag wurde zunächst die bekannte Papierfabrik in Großullersdorf (Velké Losiny) besichtigt. Die Gebirgsregionen Böhmens und Mährens waren auf Grund ihres klaren Wassers einst Zentren der Papierherstellung. Heute ist die dortige Papierfabrik die einzige in Tschechien, in der die Papiererzeugung noch in alter Manufaktur-Tradition erfolgt und demonstriert wird. Die leider etwas verregnete Wanderung zum Altvater (Praděd) von der Schäferei (Ovčárna) aus fand dann am Nachmittag statt. Mit einem Besuch im Begegnungszentrum Mährisch-Schönberg (Šumperk) und einem Gespräch mit dem dortigen Leiter Walter Sitte über die deutsche Minderheit in Tschechien und die aktuelle politische Situation wurde die Reise abgeschlossen. Über Friedeberg (Žulová) mit seiner auf dem historischen Burggelände errichteten Martins-Kirche führte die Rückfahrt am Mittwoch morgen wieder zurück nach Görlitz.

 

Neisse, St. Jakobus mit 

unvollendetem Glockenturm (links)

 

 Die Wehrkirche von Patschkau

 Schloss Johannesberg in Jauernig. Sommerresidenz der Breslauer Bischöfe

mit einer großen Pfeifensammlung

 

Die von Alfred Brauner geschnitzten Stammgast-Stühle in der Pension Rejvíz in Reihwiesen

 

 Die Hl. Quelle bei der Wallfahrtskirche   von Maria Hilf auf dem Querberg überlebte als einzige die komplette Zerstörung der Kirche von 1973

 

  

Maria-Schmerz-Kirche und Liechtenstein-Warte auf dem Burgberg

 

 Troppauer Jesuitenkirche (St. Adalbert, früher St. Georg) am Niederring, links ehemaliges Jesuiten-Gymnasium, rechts die ehemalige Statthalterei

Prof. Boris Míček aus Jägerndorf

 

Turm auf dem Altvater, Grenzstein,

der die einstige Herrschaftsgrenze des Ritterordens, des Breslauer Bistums und der Zierotins markiert

 

 

 

           

 


 

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