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Veranstaltungen

 

10.-11.Juni 2006
Böhmerwaldseminar in Krummau (Český Krumlov) und Oberplan (Horní Planá)

Das jährlich stattfindende Böhmerwaldseminar fand im fünften Jahr in Krummau (Český Krumlov) im dortigen Regionalmuseum statt. Zunächst führte Dr. Andreas Wiedemann (Prag/Düsseldorf) in die allgemeine Problematik der Wiederbesiedlung der Sudetengebiete in den Jahren 1945-1952 ein, erläuterte Probleme zwischen den Neusiedlergruppen und bei der Verteilung des Besitzes der vertriebenen Deutschen. Unter dem Motto "Komm mit uns das Grenzland aufbauen" hatte die Kommunistische Partei versucht, Neusiedler in die verlassenen Gebiete zu locken. Neben Menschen aus den innerböhmischen Gebieten wurden vor allem tschechische und slowakische Reemigranten aus vielen Ländern Europas, z. B. rumänische Slowaken oder Wolhynien-Tschechen sowie Roma angeworben. Ebenso wie bei der Vertreibung könne man bei der Wiederbesiedlung von einer "wilden" und einer "organisierten" Phase sprechen.

PhDr. Eva Davidová aus Krummau (Český Krumlov) erläuterte die besonderen Umstände der Neubesiedlung in Krummau und Umgebung. Häufig seien Versprechungen, die den Neusiedlern gemacht wurden, nicht eingehalten worden. Insbesondere den Roma seien dann ohne Berücksichtigung ihres kulturellen Hintergrundes hastig errichtete Wohnblöcke sowie Bereiche des Krummauer Altstadtkerns zugeteilt worden. Eva Davidová besitzt zu den Roma nicht nur ein reichhaltiges Fotoarchiv, sondern auch die größte Roma-Liedersammlung in Böhmen.

         

              Eva Davidová                                   Andreas Wiedemann

Ivo Stehlík aus Wallern (Volary) stellte dann ein Buchprojekt vor, das sich mit den Erinnerungen von Ondřej Klišík befasst, einem rumänischem Slowaken, der lange Jahre in Wallern lebte. Dieser schrieb seine Erinnerungen an die Zeit unmittelbar nach der Ankunft im Böhmerwald in der Phase der Neubesiedlung nieder. Interessant ist dabei nicht nur der Inhalt, sondern die Sprache, die eine interessante Mischung zwischen Tschechisch und Slowakisch ist. Klišík schildert u. a. aufrüttelnd die Gründe seines Weggangs aus Rumänien und den Prozess des allmählichen Heimisch-Werdens im Böhmerwald.

                                Ivo Stehlík aus Wallern (Volary)

Der zweite Tag stand zunächst im Zeichen der Vorstellung zweier Ausstellungen. Martin Gaži aus Budweis erklärte das Konzept der Ausstellung Begegnungsstätten in der Literatur in Südböhmen und im südlichen Böhmerwald im Kloster Goldenkron (Zlatá Koruna). In elf ehemaligen Mönchszellen werden verschiedene Fragen bzw. Themenbereiche der Literatur wie z. B. "die ehrlosen Ketzer", der "Urvater Wald" oder das Gebet aubereitet. Zur Frage von Religion und Kultur bemerkte Gaži: "Die religiöse und kulturelle Mission gingen Hand in Hand. Genauer gesagt: niemandem fiel damals ein, diese gottesgefällige Bemühung, in ihrem Wesen einheitlich, unnatürlich in zwei Teile zu trennen".

          

                   Jiří Franc                                       Martin Gaži

Leider nicht mehr zu besichtigen ist die Ausstellung Rose und Schwert, die sich mit Adalbert Stifters Witiko beschäftigte und von Juni-Oktober 2005 im Kloster Hohenfurt (Vyšší Brod) zu sehen war. Jiří Franc, der die Ausstellung maßgeblich geprägt hat, analysierte Stifters Geschichtsbild: Politische Ereignisse zu Stifters Zeiten hätten an mehreren Stellen Eingang in den Witiko gefunden. Außerdem sei sich Stifter der schweren Lesbarkeit seines historischen Romans bewusst gewesen und meinte gegenüber seinem Bruder Johann: Mit dem Witiko werden mich die Leute erst in hundert Jahren verstehen".

Der letzte Vortrag von Sabine Eisch aus Frauenau stellte ein künstlerisches, grenzüberschreitendes Projekt, die Glasarche in einer hölzernen Hand vor. Die Arche, ein Symbol für die bekannte Glastradition der gesamten Region, wanderte von 2003-2005 durch insgesamt 19 Orte des Bayer- und Böhmerwaldes (z. B. Zwiesel, Grafenau bzw. Prachatitz und Tusset) und steht derzeit vor dem neu konzipierten Glasmuseum in Frauenau. 2007 wird sie auch Teil der Landesausstellung Bayern-Böhmen sein. Ein aktuell erschienener Dokumentationsband verschafft einen bilderreichen Überblick über die Reise.

                 

  Im Regionalmuseum Krummau                           Sabine Eisch

 

Programm:

Samstag, 10.6.2006

12.15   Abfahrt mit dem Bus vom Stifter-Zentrum ins Museum Krummau   

13.10   Begrüßung: Dr. Wolfgang Schwarz

13.15   Dr. Andreas Wiedemann: Die Wiederbesiedlung der Sudetengebiete

           von 1945-1952

14.15   Dr. Eva Davidová: Die Neubesiedlung des Raums Krummau

           nach 1945 - die Roma zwischen Tradition und Integration

          - Diskussion und Kaffeepause -

16.15   Ing. Ivo Stehlík: Die rumänischen Slowaken im Böhmerwald mit

           den Augen von Ondřej Klišík - ein Buchprojekt

17.15   Gelegenheit zum Museumsbesuch oder zum Stadtrundgang in

           Krummau

18.30   Rückfahrt nach Oberplan-Abendessen

20.30   Geselliger Abend mit Roma-Musik im Stifter Zentrum Oberplan

Sonntag, 11.6.2006

9:15     Abfahrt von Oberplan nach Krummau

10.00   Mgr. Martin Gaži : Begegnungsstätten in der Literatur aus dem

           Ostböhmerwald und Südböhmen – Ausstellung im Kloster 

           Goldenkron (Zlatá Koruna)

10.45   Mag.phil. Jiří Franc: Rose und Schwert. Die Stifter-Ausstellung im 

           Kloster Hohenfurt (Vyšší Brod)   

11.30   Sabine Eisch: Das Projekt Glasarche – Ausdruck künstlerischer

           grenzüberschreitender Kooperation

 

             

Krummau (Český Krumlov), die "Perle des Böhmerwaldes"

 

Veranstalter:

Kulturreferent für die böhmischen Länder

im Adalbert Stifter Verein

Dr. Wolfgang Schwarz

Hochstraße 8 • 81669 München

Tel: 089 622 716 35 • Fax 4 89 11 48

schwarz@asv-muen.de

www.asv-muen.de

Tagungsort:

  Regionální muzeum v Českém Krumlově

(Regionalmuseum Krummau)

Horní 152

38101 Český Krumlov


 

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