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Das jährlich stattfindende
Böhmerwaldseminar fand im fünften Jahr in Krummau (Český Krumlov)
im dortigen Regionalmuseum statt. Zunächst führte Dr. Andreas
Wiedemann (Prag/Düsseldorf) in die allgemeine Problematik
der Wiederbesiedlung der Sudetengebiete in den Jahren 1945-1952
ein, erläuterte Probleme zwischen den Neusiedlergruppen und bei
der Verteilung des Besitzes der vertriebenen Deutschen. Unter dem
Motto "Komm mit uns das Grenzland aufbauen" hatte
die Kommunistische Partei versucht, Neusiedler in die verlassenen
Gebiete zu locken. Neben Menschen aus den innerböhmischen Gebieten
wurden vor allem tschechische und slowakische Reemigranten aus vielen
Ländern Europas, z. B. rumänische Slowaken oder Wolhynien-Tschechen
sowie Roma angeworben. Ebenso wie bei der Vertreibung könne man
bei der Wiederbesiedlung von einer "wilden" und einer
"organisierten" Phase sprechen.
PhDr. Eva
Davidová aus Krummau (Český Krumlov) erläuterte
die besonderen Umstände der Neubesiedlung in Krummau und Umgebung.
Häufig seien Versprechungen, die den Neusiedlern gemacht wurden,
nicht eingehalten worden. Insbesondere den Roma seien dann ohne
Berücksichtigung ihres kulturellen Hintergrundes hastig errichtete
Wohnblöcke sowie Bereiche des Krummauer Altstadtkerns zugeteilt
worden. Eva Davidová besitzt zu den Roma nicht nur ein reichhaltiges
Fotoarchiv, sondern auch die größte Roma-Liedersammlung in Böhmen.
Eva Davidová
Andreas Wiedemann
Ivo Stehlík
aus Wallern (Volary) stellte dann ein Buchprojekt vor, das sich
mit den Erinnerungen von Ondřej Klišík befasst, einem rumänischem
Slowaken, der lange Jahre in Wallern lebte. Dieser schrieb seine
Erinnerungen an die Zeit unmittelbar nach der Ankunft im Böhmerwald
in der Phase der Neubesiedlung nieder. Interessant ist dabei nicht
nur der Inhalt, sondern die Sprache, die eine interessante Mischung
zwischen Tschechisch und Slowakisch ist. Klišík schildert u. a.
aufrüttelnd die Gründe seines Weggangs aus Rumänien und den Prozess
des allmählichen Heimisch-Werdens im Böhmerwald.

Ivo Stehlík aus Wallern (Volary)
Der zweite Tag stand zunächst
im Zeichen der Vorstellung zweier Ausstellungen. Martin
Gaži aus Budweis erklärte das Konzept der Ausstellung Begegnungsstätten
in der Literatur in Südböhmen und im südlichen Böhmerwald im
Kloster Goldenkron (Zlatá Koruna). In elf ehemaligen Mönchszellen
werden verschiedene Fragen bzw. Themenbereiche der Literatur wie
z. B. "die ehrlosen Ketzer", der "Urvater Wald"
oder das Gebet aubereitet. Zur Frage von Religion und Kultur bemerkte
Gaži: "Die religiöse und kulturelle Mission gingen Hand
in Hand. Genauer gesagt: niemandem fiel damals ein, diese gottesgefällige
Bemühung, in ihrem Wesen einheitlich, unnatürlich in zwei Teile
zu trennen".
Jiří
Franc
Martin
Gaži
Leider nicht mehr
zu besichtigen ist die Ausstellung Rose und Schwert, die
sich mit Adalbert Stifters Witiko beschäftigte und von Juni-Oktober
2005 im Kloster Hohenfurt (Vyšší Brod) zu sehen war. Jiří
Franc, der die Ausstellung maßgeblich geprägt hat, analysierte
Stifters Geschichtsbild: Politische Ereignisse
zu Stifters Zeiten hätten an mehreren Stellen Eingang in den Witiko
gefunden. Außerdem sei sich Stifter der schweren Lesbarkeit seines
historischen Romans bewusst gewesen und meinte gegenüber seinem
Bruder Johann: Mit dem Witiko werden mich die Leute erst in
hundert Jahren verstehen".
Der letzte Vortrag
von Sabine Eisch aus Frauenau stellte ein künstlerisches,
grenzüberschreitendes Projekt, die Glasarche in einer hölzernen
Hand vor. Die Arche, ein Symbol für die bekannte Glastradition der
gesamten Region, wanderte von 2003-2005 durch insgesamt 19 Orte
des Bayer- und Böhmerwaldes (z. B. Zwiesel, Grafenau bzw. Prachatitz
und Tusset) und steht derzeit vor dem neu konzipierten Glasmuseum
in Frauenau. 2007 wird sie auch Teil der Landesausstellung Bayern-Böhmen
sein. Ein aktuell erschienener Dokumentationsband verschafft einen
bilderreichen Überblick über die Reise.
Im Regionalmuseum
Krummau
Sabine Eisch
Programm:
Samstag, 10.6.2006
12.15 Abfahrt mit dem Bus
vom Stifter-Zentrum ins Museum Krummau
13.10 Begrüßung:
Dr. Wolfgang Schwarz
13.15 Dr.
Andreas Wiedemann: Die Wiederbesiedlung der Sudetengebiete
von 1945-1952
14.15 Dr.
Eva Davidová: Die Neubesiedlung des Raums Krummau
nach 1945 - die Roma
zwischen Tradition und Integration
- Diskussion und Kaffeepause -
16.15 Ing.
Ivo Stehlík: Die rumänischen Slowaken im Böhmerwald mit
den Augen von Ondřej Klišík
- ein Buchprojekt
17.15 Gelegenheit
zum Museumsbesuch oder zum Stadtrundgang in
Krummau
18.30 Rückfahrt
nach Oberplan-Abendessen
20.30 Geselliger
Abend mit Roma-Musik im Stifter Zentrum Oberplan
Sonntag, 11.6.2006
9:15
Abfahrt von Oberplan nach Krummau
10.00 Mgr.
Martin Gaži : Begegnungsstätten in der Literatur aus dem
Ostböhmerwald und Südböhmen
– Ausstellung im Kloster
Goldenkron (Zlatá Koruna)
10.45 Mag.phil.
Jiří Franc: Rose und Schwert. Die Stifter-Ausstellung im
Kloster Hohenfurt
(Vyšší Brod)
11.30 Sabine Eisch:
Das Projekt Glasarche – Ausdruck künstlerischer
grenzüberschreitender Kooperation
Krummau
(Český Krumlov), die "Perle des Böhmerwaldes"
Veranstalter:
Kulturreferent
für die böhmischen Länder
im Adalbert
Stifter Verein
Dr. Wolfgang
Schwarz
Hochstraße
8 • 81669 München
Tel: 089 622
716 35 • Fax 4 89 11 48
schwarz@asv-muen.de
www.asv-muen.de
Tagungsort:
Regionální muzeum v Českém Krumlově
(Regionalmuseum
Krummau)
Horní 152
38101 Český Krumlov
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