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Veranstaltungsort: Adalbert Stifter
Zentrum Oberplan
Das deutsch-tschechische,
gemeinsame kulturelle Erbe im Böhmerwald, der Lipno-Stausee, die
Geschichte des Tourismus und Adalbert Stifter standen im Mittelpunkt
des IV. Böhmerwald-Seminars in Oberplan (Horní Planá). Veranstalter
waren der Adalbert Stifter Verein München/Kulturreferent Dr. Wolfgang
Schwarz und die Nationalparkverwaltung Šumava/Böhmerwald, Veranstaltungsort
das Stifter-Zentrum Oberplan. Knapp 60 Teilnehmer aus Deutschland,
Tschechien und Österreich lauschten zunächst dem Eingangsreferat
von Helena Fličková, die sich mit den Anfängen
des Tourismus im Böhmerwald in der 2. Hälfte des 19. Jhd. beschäftigte.
Dabei lag der Schwerpunkt auf den tschechischen Initiativen, die
Referentin zitierte aus alten Reiseführern und informierte auch
über die Anfänge des Wintersports. Zum Schluss gab Frau Fličková,
die sich zusammen mit anderen Oberplanern für die Restaurierung
des dortigen Stifter-Parks einsetzt, einen Überblick über den Fortgang
der Arbeiten.
Petr Jelínek,
Leiter des Krummauer Regionalmuseums, vermittelte in seinem Vortrag
ein eindrucksvolles Bild von der Dimension der Errichtung des größten
Binnensees Tschechiens, des Lipno-Stausees, der in den 50er Jahren
des letzten Jhds. künstlich angelegt wurde. Die Moldau bei Oberplan,
von Stifter als glänzende Schlange bezeichnet und auch
als Moldauherz bekannt, verschwand für immer in den Fluten, das
linke Ufer des Sees mit Orten wie Glöckelberg (Přední Zvonková)
oder Vorderstift (Bližší Lhota), die ohnehin in der militärischen
Sperrzone lagen, war nun vom Binnenland weitgehend abgeschnitten.
Die Reste vieler Gemeinden wie Unterwuldau (Dolní Vltava), Mayerbach
(Přední Borková) oder Gleisleiten (Kozí Stráň) befinden sich heute
ganz oder teilweise auf dem Grund des Sees. Heute ist der See der
touristische Mittelpunkt der Region, auch messbare Auswirkungen
auf das örtliche Klima (leichte Erwärmung) seit seiner Entstehung
sind zu spüren.
Josef Jiřička,
Mitarbeiter des Nationalparks Šumava, präsentierte ein Projekt seiner
Institution, bei dem von 2000-2004 eine Vielzahl von Flurdenkmälern,
Marterln, Feldkreuzen usw. liebevoll restauriert wurde. Oft deuten
solche kleinen Denkmäler auf die frühere Existenz von kleinen Ortschaften,
Weilern oder Gutshöfen hin. Viele deutsche und österreichische Geldgeber
hätten zur Finanzierung der Maßnahmen beigetragen. Auch der Obelisk
über dem Plöckensteinsee (Plešné jezero) und Teile des Schwarzenberg-Kanals
bei Hirschbergen (Jelení vrchy) wurden einer gründlichen Renovierung
unterzogen. Dokumentiert ist dies zu einem großen Teil in dem Bildband
Vergessenes Erbe (Zapomenuté dědictví), der 2004 von der
Nationalparkverwaltung Šumava herausgegeben wurde.
Der Lipno-Stausee
bei Oberplan Stifters
Geburtshaus in Oberplan
In den beiden letzten Beiträgen
stand am zweiten Tag des Seminars Adalbert Stifter in „seinem“ Jubiläumsjahr
(200. Geburtstag) im Mittelpunkt. Josef Berlinger,
der kürzlich eine Stifter-Spurensuche mit dem Titel „Das Meer muss
ich sehen“ (Morsak-Verlag, 2005) veröffentlicht hat, sprach zum
Thema „Zweikampf am Dreiländereck. Stifters Berge, der Tourismus
und die Politik.“ Dabei ging er u. a. auch auf die national bedingten
Emotionen ein, die Deutsche und Tschechen rund um den Dreisesselberg
immer wieder erfasste, wovon u. a. Eintragungen im Gästebuch des
dortigen Schutzhauses zeugen. Als letzte Referentin trat Anna
Wheill aus Regen auf, die sich mit Stifters einziger Begegnung
mit dem Meer 1857 in Triest auseinandersetzte. Am dortigen Hotel
de la Ville ist eine Gedenktafel angebracht, die an Stifters Besuch
erinnert. Der Schriftsteller äußerte sich in einem Brief an seinen
Verleger Gustav Heckenast begeistert über den Ort und schien kurzzeitig
sogar seine geliebte Böhmerwald-Heimat darüber zu vergessen. Das
Alltagsleben holte die Familie Stifter jedoch zu Hause in Linz bald
wieder ein, seine Italien-Sehnsucht riss anschließend erstaunlich
schnell wieder ab.
Dr. Wolfgang Schwarz verband
mit seinem Schlusswort die Hoffnung, das Seminar habe den Teilnehmern
eine wichtige Ergänzung ihres Böhmerwald- und Stifter-Bildes vermitteln
können. Die Veranstaltung, die in der Regel einmal im Jahr stattfindet,
bietet kultur-, regional- und literaturgeschichtliche Beiträge zum
Böhmerwald an.
Programm des Seminars:
Samstag, 4.6.2005
- Anreise -
13.00 Begrüßung
13.15 Helena
Flíčková: Tourismus im Böhmerwald –
von den Anfängen bis heute
14.15 Petr Jelínek:
Die untergegangene Welt der „silbernen Schlange“.
Die Geschichte des Lipno-Stausees – mit Bild- und Filmmaterial
- Kaffeepause -
16.00 Josef
Jiříčka: Die Instandsetzung von Denkmälern und
Gedenkkreuzen im Böhmerwald
17.00 Spaziergang
entlang des Adalbert-Stifter-Steigs um Oberplan
19.00 Abendessen
20.30 Filmvorführung:
Brigitta (nach der gleichnamigen Novelle Adalbert
Sitfters)
Sonntag, 5.6.2005
9.30 Joseph
Berlinger : Zweikampf am Dreiländereck. Stifters Berge, der
Tourismus und die Politik
- Kaffeepause -
11.00 Anna Wheill: Adalbert a
Trieste. Stifters Italiensehnsucht
- Mittagessen
und Abreise -
Veranstalter
und Kontakt:
Kulturreferent
für die böhmischen Länder
im Adalbert
Stifter Verein
Dr. Wolfgang
Schwarz
Hochstraße
8 • 81669 München
Tel: 089
622 716 35 • Fax 4 89 11 48
schwarz@asv-muen.de
www.asv-muen.de
In Zusammenarbeit
mit der Tschechischen Nationalparkverwaltung
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