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Veranstaltungen

 

4.-5. Juni 2005

IV. Böhmerwaldseminar in Oberplan

Veranstaltungsort: Adalbert Stifter Zentrum Oberplan

Das deutsch-tschechische, gemeinsame kulturelle Erbe im Böhmerwald, der Lipno-Stausee, die Geschichte des Tourismus und Adalbert Stifter standen im Mittelpunkt des IV. Böhmerwald-Seminars in Oberplan (Horní Planá). Veranstalter waren der Adalbert Stifter Verein München/Kulturreferent Dr. Wolfgang Schwarz und die Nationalparkverwaltung Šumava/Böhmerwald, Veranstaltungsort das Stifter-Zentrum Oberplan. Knapp 60 Teilnehmer aus Deutschland, Tschechien und Österreich lauschten zunächst dem Eingangsreferat von Helena Fličková, die sich mit den Anfängen des Tourismus im Böhmerwald in der 2. Hälfte des 19. Jhd. beschäftigte. Dabei lag der Schwerpunkt auf den tschechischen Initiativen, die Referentin zitierte aus alten Reiseführern und informierte auch über die Anfänge des Wintersports. Zum Schluss gab Frau Fličková, die sich zusammen mit anderen Oberplanern für die Restaurierung des dortigen Stifter-Parks einsetzt, einen Überblick über den Fortgang der Arbeiten.

Petr Jelínek, Leiter des Krummauer Regionalmuseums, vermittelte in seinem Vortrag ein eindrucksvolles Bild von der Dimension der Errichtung des größten Binnensees Tschechiens, des Lipno-Stausees, der in den 50er Jahren des letzten Jhds. künstlich angelegt wurde. Die Moldau bei Oberplan, von Stifter als glänzende Schlange bezeichnet und auch als Moldauherz bekannt, verschwand für immer in den Fluten, das linke Ufer des Sees mit Orten wie Glöckelberg (Přední Zvonková) oder Vorderstift (Bližší Lhota), die ohnehin in der militärischen Sperrzone lagen, war nun vom Binnenland weitgehend abgeschnitten. Die Reste vieler Gemeinden wie Unterwuldau (Dolní Vltava), Mayerbach (Přední Borková) oder Gleisleiten (Kozí Stráň) befinden sich heute ganz oder teilweise auf dem Grund des Sees. Heute ist der See der touristische Mittelpunkt der Region, auch messbare Auswirkungen auf das örtliche Klima (leichte Erwärmung) seit seiner Entstehung sind zu spüren.

Josef Jiřička, Mitarbeiter des Nationalparks Šumava, präsentierte ein Projekt seiner Institution, bei dem von 2000-2004 eine Vielzahl von Flurdenkmälern, Marterln, Feldkreuzen usw. liebevoll restauriert wurde. Oft deuten solche kleinen Denkmäler auf die frühere Existenz von kleinen Ortschaften, Weilern oder Gutshöfen hin. Viele deutsche und österreichische Geldgeber hätten zur Finanzierung der Maßnahmen beigetragen. Auch der Obelisk über dem Plöckensteinsee (Plešné jezero) und Teile des Schwarzenberg-Kanals bei Hirschbergen (Jelení vrchy) wurden einer gründlichen Renovierung unterzogen. Dokumentiert ist dies zu einem großen Teil in dem Bildband Vergessenes Erbe (Zapomenuté dědictví), der 2004 von der Nationalparkverwaltung Šumava herausgegeben wurde.

 

    

   Der Lipno-Stausee bei Oberplan         Stifters Geburtshaus in Oberplan

In den beiden letzten Beiträgen stand am zweiten Tag des Seminars Adalbert Stifter in „seinem“ Jubiläumsjahr (200. Geburtstag) im Mittelpunkt. Josef Berlinger, der kürzlich eine Stifter-Spurensuche mit dem Titel „Das Meer muss ich sehen“ (Morsak-Verlag, 2005) veröffentlicht hat, sprach zum Thema „Zweikampf am Dreiländereck. Stifters Berge, der Tourismus und die Politik.“ Dabei ging er u. a. auch auf die national bedingten Emotionen ein, die Deutsche und Tschechen rund um den Dreisesselberg immer wieder erfasste, wovon u. a. Eintragungen im Gästebuch des dortigen Schutzhauses zeugen. Als letzte Referentin trat Anna Wheill aus Regen auf, die sich mit Stifters einziger Begegnung mit dem Meer 1857 in Triest auseinandersetzte. Am dortigen Hotel de la Ville ist eine Gedenktafel angebracht, die an Stifters Besuch erinnert. Der Schriftsteller äußerte sich in einem Brief an seinen Verleger Gustav Heckenast begeistert über den Ort und schien kurzzeitig sogar seine geliebte Böhmerwald-Heimat darüber zu vergessen. Das Alltagsleben holte die Familie Stifter jedoch zu Hause in Linz bald wieder ein, seine Italien-Sehnsucht riss anschließend erstaunlich schnell wieder ab.

Dr. Wolfgang Schwarz verband mit seinem Schlusswort die Hoffnung, das Seminar habe den Teilnehmern eine wichtige Ergänzung ihres Böhmerwald- und Stifter-Bildes vermitteln können. Die Veranstaltung, die in der Regel einmal im Jahr stattfindet, bietet kultur-, regional- und literaturgeschichtliche Beiträge zum Böhmerwald an.

Programm des Seminars:

Samstag, 4.6.2005

- Anreise -

13.00   Begrüßung   

13.15   Helena Flíčková: Tourismus im Böhmerwald –

           von den Anfängen bis heute

14.15   Petr Jelínek: Die untergegangene Welt der „silbernen Schlange“.

           Die Geschichte des Lipno-Stausees – mit Bild- und Filmmaterial

        

           - Kaffeepause -

16.00   Josef Jiříčka: Die Instandsetzung von Denkmälern und  

           Gedenkkreuzen im Böhmerwald

17.00   Spaziergang entlang des Adalbert-Stifter-Steigs um Oberplan

19.00   Abendessen

20.30   Filmvorführung: Brigitta (nach der gleichnamigen Novelle Adalbert 

           Sitfters)

Sonntag, 5.6.2005

9.30    Joseph Berlinger : Zweikampf am Dreiländereck. Stifters Berge, der

          Tourismus und die Politik

          -  Kaffeepause -

11.00   Anna Wheill: Adalbert a Trieste. Stifters Italiensehnsucht

          - Mittagessen und Abreise -

 

Veranstalter und Kontakt:

Kulturreferent für die böhmischen Länder

im Adalbert Stifter Verein

Dr. Wolfgang Schwarz

Hochstraße 8 • 81669 München

Tel: 089 622 716 35 • Fax 4 89 11 48

schwarz@asv-muen.de

www.asv-muen.de

In Zusammenarbeit mit der Tschechischen Nationalparkverwaltung

 


 

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