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Abendveranstaltung
mit Dr. Max Fischer, Staatssekretär a. D.
und Michaela
Fischer, Übersetzerin
“ Zähmt diesen wildgewordenen
Landrat !“. So telegrafierte das Auswärtige Amt 1964 ins Bayerische
Innenministerium nach München zu einer Zeit, als die Hallstein-Doktrin
es deutschen Politikern noch verbot, Kontakte zum Ostblock aufzunehmen.
Dr. Max Fischer, Chamer Landrat, führte seine Gespräche mit der
tschechoslowakischen Seite dennoch weiter. Begonnen hatte alles
im Jahr 1960 mit einer Kuh, die sich bei Furth im Wald auf ČSSR-Territorium
verirrt hatte und schließlich nach Verhandlungen mit dem tsche-chischen
Zoll wieder zurückgeholt werden konnte. Der „heimliche Bayerische
Außenminister”, wie ihn der ehemalige Bayerische Ministerpräsident
Alfons Goppel einmal nannte, schleuste deutsche Bischöfe durch den
Eisernen Vorhang und flog Not gelandete deutsche Flugzeuge eigenhändig
aus der ČSSR zurück. Konrad Adenauer meinte zu seinen Ostkontakten:
“Schreiben Sie mir eine Ansichtskarte aus Sibirien!”.
Dr. Max Fischer
wurde 1928 in Altenmarkt bei Cham als Sohn eines Bauern
geboren. Nach dem Zweiten Weltkrieg studierte er in Regensburg und
München Jura und schloss sein Studium 1953 ab. Anschließend war
er für die Regensburger Filiale einer Versicherung tätig, bevor
er 1959 für die CSU zum Landrat von Cham gewählt wurde. Von 1962-1990
war er Abgeordneter des Bayerischen Landtags, von 1977 bis 1986
als Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium für Landesentwicklung
und Umweltfragen tätig.
Max
und Michaela Fischer in der Alfred Kubin Galerie
bei der
Abendveranstaltung "Bayerns heimlicher Außenminister"
Als amtierender
Chamer Landrat begann er – gegen den Widerstand der Bonner und Münchner
Regierungen - seine Kontakte mit tschechoslowakischen Politikern,
die zunächst vor allen Dingen praktischen Fragen wie der Regelung
des Grenzverlaufs, der Öffnung eines Grenzüberganges bei Furth etc.
dienten. Schließlich setzte er sich in Prag auch für die Bewilligung
von Ausreiseanträgen, die Zusammenführung von durch den Eisernen
Vorhang getrennten sudetendeutschen Familien und die Freilassung
von politischen Gefangenen ein. Über all diese Aktivitäten wird
er in seinem Referat informieren.
Seine Tochter Michaela
Fischer wurde 1966 in Cham geboren und absolvierte nach
dem Abitur eine Ausbildung als Fremdsprachenkorrespondentin. Später
arbeitete sie in Brüssel und Amsterdam als Übersetzerin und leitet
heute in München ein Über-setzungsbüro. Außerdem engagiert sie sich
in dem von ihr mitbegründeten Europa Club München. Sie hat die Erinnerungen
ihres Vaters in dem Buch Bayerns heimlicher Außenminister
(MZ-Verlag Regensburg 2001) zusammengefasst
und wird einige Passagen daraus vorlesen.
München, Kulturforum
im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße 8, 19 Uhr
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