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Seit der Wende 1989 hat nach
einer ersten Euphorie der Öffnung die Reformländer und ihre Nachbarn
die Realität eingeholt. Als neue EU-Mitgliedsstaaten gehören sie
zum gemeinsamen Markt. Im Falle Tschechiens eine neue Erfahrung,
die allerdings alte Wurzeln hat. Die vermeintlich neuen Märkte sind
einmal Teil eines großen Ganzen gewesen, das als Habsburger-Monarchie
1918 untergegangen ist.
Dieses Habsburgerreich hat
– ungeachtet einer fragwürdigen Wirtschaftspolitik und notorischem
Kapitalmangel – eine große Anzahl von Industriebetrieben hervorgebracht,
die in den böhmischen Ländern einen erheblichen Teil ihrer Produktion
aufbauten. Die Marken, die geschaffen wurden, sind noch heute populär:
Hirsch-Seife und Ceres, Hardmuth-Bleistifte (Koh-i-noor) und Thun-Porzellan,
Skoda-Auto und Gablonzer Glaswaren.
Der Vortrag basiert auf dem
Buch Neuer Glanz auf alten Marken. Skoda, Gablonz, Budweiser
& Co (2001). Der Autor Johannes Jetschgo bietet einen
Streifzug durch eine Industrielandschaft, die sich ihrer prominenten
Marken noch erinnert, sie teilweise als Tradition hochhält oder
sie längst an anderen Standorten weiterentwickelt hat.
Das Spektrum reicht vom
k.u.k. Hoflieferanten bis zum Exportmotor der heutigen Republik
Tschechien, von Unternehmerschicksalen bis zu Wiedereinsteigern
nach 1989. Es zeigt sich, dass weder Globalisierung noch Marketing
Entwicklungen unserer Zeit sind, sondern dass dies schon Ende des
19. Jhd. geläufige Phänomene und Errungenschaften waren. Dort wo
Industriegeschichte die Anfänge des Massenkonsums erreicht, mit
dem Auftreten populärer Marken, wird sie für jeden fassbar und Teil
des Lebens. Dies ist an Beispielen aus Böhmen spannend nachvollziehbar.
Dr. Johannes Jetschgo
wurde 1956 in Linz geboren. Nach dem Studium der Germanistik
und Geschichte in Salzburg und Saarbrücken arbeitete er bei den
Salzburger Nachrichten sowie im Österreichischen Rundfunk.
Von 1993-1998 war er im ORF-Landesstudio Oberösterreich in Linz
redaktionell verantwortlich für den Bereich Wirtschaft, seit 1998
ist er dort Chefredakteur für den Bereich Information. U. a. verfasste
er auch Natur- und Kunstführer für West- und Südböhmen, sein neuestes
Werk befasst sich mit der Österreichischen Industriegeschichte
(Ueberreuter-Verlag, 2004)
Do, 16. Dezember 2004,
19 Uhr
Kulturforum im Sudetendeutschen
Haus, Hochstraße 8
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