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Sie sind stumm, aus Holz,
Pappe, Textil oder Glas, und doch voller Leben: Marionetten. Die
magische Ausstrahlung des Marionettenspiels fesselt mit herzhaftem
Humor und grotesker Komik bis heute Kinder und Erwachsene gleichermaßen.
Die Ausstellung zeigt
viele Marionetten, Originalbühnen und Requisiten aus der Sammlung
von Anita und Hartmut Naefe aus Viechtach, die
insgesamt etwa 400 Marionetten und 20 Bühnen beinhaltet. In der
Zeit zwischen 1850 und 1950 entstanden, beweisen die bis zu 80 cm
großen Puppen und kompletten kleinen Theaterbühnen die Vielseitigkeit
der böhmischen Marionettenkunst. Von Holzschnitzern wurden die Puppen
anfangs als Unikate in aufwändiger Handarbeit gefertigt und mit
phantasievollen Kostümen versehen.
Henning
Hoffsten, der bei der Ausstellungseröffnung den Text
"Über
das Marionettentheater" von Heinrich von Kleist las,
Anita
Naefe, Hartmut Naefe (von links)
Die Tradition der
wandernden Puppenspieler reicht in Böhmen bis in das ausgehende
Mittelalter zurück und gewann seit dem 17. Jahrhundert zunehmend
an Popularität. Zunächst zogen Puppentheater-Gesellschaften aus
deutschen Landen, aus England und Italien von Dorf zu Dorf, doch
in der 2. Hälfte des 18. Jahrhundert tauchten zunehmend auch in
tschechischer Sprache spielende Wanderpuppenspieler auf.

Die fahrenden Künstler
spielten in erster Linie für Erwachsene und ihr Repertoire setzte
sich aus dramatischen Stoffen zusammen, die ursprünglich für menschliche
Schauspieler geschrieben worden waren. Als Quelle dienten Klassiker
der Literatur und der Oper sowie der Comedia dell`arte. Zu den ältesten
und beliebtesten Stücken zählen Doktor Faustus und Don
Juan. Der Besuch von Marionettentheatern gehörte als fester
Bestandteil zu den Jahrmärkten und Volksfesten in der Stadt und
auf dem Land. Nicht selten geriet das Spiel zum sozialkritischen
Spott gegen Arroganz und Dekadenz der Herrschenden, denen man die
Lebensweise des einfachen Volkes gegenüberstellte. Märchenstoffe,
wie sie heute auf dem Spielplan der Marionettenbühnen stehen, wurden
damals verschmäht.
Das Figurenrepertoire
umfasst die klassischen Charaktere wie Königin, König und Hofnarr,
Großvater und Großmutter, aber auch mystische Figuren wie Tod, Teufel
und Zauberer. Das böhmische Puppentheater hatte schon bald seine
Serienhelden. Zum einen den Kasperl (tschechisch Kašpárek), der
sich allein durch sein loses Mundwerk von den übrigen Figuren absetzte,
daneben Vater Spejbl und Hurvínek, Erfindungen des Puppenspielers
Josef Skupa, die klassische Generationenkonflikte mteinander austrugen.
Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wandelte sich das Puppentheater
und wandte sich mit seinen Programmen zunehmend an junge Zuschauer.
Der Kasperl entwickelte sich dabei vom grotesken Spaßmacher zum
lieben, etwas vorlauten kleinen Jungen.
Alfred
Kubin Galerie, Kulturforum im Sudetendeutschen Haus, Hochstraße
8, Haltestelle S-Bahn Rosenheimer Platz
Öffnungszeiten:
Mo-Fr 8.00-18.00
(außer Feiertage)
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