Vortrag
von Peter Demetz, New Haven
Die Erinnerungen an das Protektorat Böhmen/Mähren
waren lange Zeit durch Entweder-Oder Perspektiven verzerrt. Der
Literaturwissenschaftler Peter Demetz (*1923) versucht in seinem
informellen Vortrag ins Gedächtnis zurückzurufen, wie
man in der Prager tschechischen Filmproduktion unter dem Okkupationsregime
arbeitete.
Die NS-Behörden hatten ein besonderes Interesse an der
Kino-Massenkunst (Goebbels). Die Prager Barrandov-Filmateliers,
gegründet, finanziert und geleitet durch Václav und
Miloš Havel, den Vater und den Onkel des späteren Staatspräsidenten,
zählten zu den modernsten Europas, und als die reichsdeutschen
Ateliers wegen der Bombenangriffe nach Prag übersiedelten,
waren der industriellen und ideologischen Konflikte nicht wenige.
Reichsdeutsche und Tschechen filmten in denselben Ateliers, wobei
die Tschechen versuchten, in zumindst vier Film-Gattungen, ihre
Autonomie zu verteidigen:
1) der patriotisch-historischen Biographie (Slavinský),
2) der Konversationskomödie (Vávra),
3) dem Bauerndrama, zuzeiten aber nicht frei von antisemitischen
Tendenzen (Čap), und
4) der lyrisch-poetischen Naturnovelle (Krška).
Schon im Mai 1945 gelang es der kommunistischen Partei ein Verstaatlichungsgesetz
durchzusetzen; die Retributionsverfahren/Prozesse dauerten bis
1948 und später.
Mit ausgewählten Filmbeispielen
Eintritt frei
Mittwoch, 5. November 2003, 19.00 Uhr
Adalbert-Stifter-Saal
Sudetendeutsches Haus
München, Hochstraße 8
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