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Veranstaltungen
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| 24.-25.5. 2003 in Prachatitz |
| Böhmerwaldseminar |
Der Kirchenreformer Jan Hus, der
aus Prachatitz stammende Heilige Bischof Johannes Nepomuk Neumann
und Adalbert Stifter standen
im Mittelpunkt des II. regional- und kulturgeschichtlichen Böhmerwaldseminars
in Prachatitz, das vom Kulturreferenten für die böhmischen
Länder, Dr. Wolfgang Schwarz und der Stadt Prachatitz gemeinsam
durchgeführt wurde. Tagungsort war der Sitzungssaal im 1570
erbauten Alten Rathaus der Stadt. Die Veranstaltung wurde dankenswerterweise
auch vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds finanziell unterstützt.
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StadtplatzPrachatitz
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Teilnehmer des Seminars im Rathaussaal von Prachatitz
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Ca. 40 Teilnehmer hörten am ersten Seminar-Tag
zunächst den Vortrag von Dr. Thomas Krzenck aus Leipzig zum
Thema „Jan Hus: Kirchenreformator oder Repräsentant tschechischen
Nationalbewusstseins?“. Krzenck, der als einer der bekanntesten
Hussitologen Deutschlands gilt und u. a. die vierbändige „Geschichte
der hussitischen Revolution“von František Šmahels,
legte dar, Jan Hus sei beides gewesen, letzteres jedoch weitestgehend
unbewusst: „Hus als Repräsentant tschechischen Nationalbewusstseins – in
diesem Punkt muss unterschieden werden zwischen der zeithistorischen
Ebene (also in dem geschichtlichen Umfeld, in dem sich Hus bewegte)
und dem Nachleben des böhmischen Reformators.“
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| Das Geburtshaus von Jan Hus befindet sich nur wenige Kilometer
von Prachatitz entfernt in dem Dorf Husinec, heute ist dort ein kleines
Museum untergebracht.
Anschließend untersuchte Pater Stanislav Přibyl, der
als Provinzial der Redemptoristen am bekannten Wallfahrtsort Svatá Hora
bei Pribram wirkt, die Beziehung von Bischof Johannes Nepomuk Neumann
(1811-1860) zu seiner Heimatstadt
Prachatitz. Přibyl stütze sich dabei vor allen Dingen auf Briefe Neumanns,
der auf Grund eines Überangebots an Priestern in jungen Jahren nach Philadelphia/USA
auswanderte, sich dort sozial engagierte, zum Bischof ernannt und 1977 von Papst
Paul VI. heilig gesprochen wurde. Nach dem Verlassen seiner Heimat kehrte er
nur noch einmal im Jahr 1855 nach Prachatitz zurück. Obwohl er seine Rückkehr
weitgehend geheim halten wollte, geriet der Besuch zu einem Freudenfest der Bevölkerung.
Auch wenn Neumann seiner Heimatstadt immer verbunden geblieben sei und sich vor
allem auf das Wiedersehen mit Vater und Schwester gefreut hätte, habe er
sich doch zu diesem Zeitpunkt in Philadelphia bereits heimisch gefühlt,
meinte Přibyl. Abgeschlossen wurde der erste Seminartag mit einer Wanderung
von Pfefferschlag/Libínské sedlo auf den Libín, wo sich ein
vor genau 120 Jahren vom Klub der Böhmerwald-Touristen errichteter Aussichtsturm
(Rudolfsturm; benannt nach dem habsburgischen Kronprinzen und Sohn Franz Josefs)
befindet. Ein Kurzreferat schilderte Hintergrund und Entstehungsgeschichte
des Turmbaus.
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| Aus Anlass des bevorstehenden Stifterjahrs
2005 wurde das Seminar am Sonntag mit zwei Beiträgen über
den Schriftsteller fortgesetzt und abgeschlossen. Der bekannte Prager
Germanist Dr.
Václav Maidl gab zunächst einen Überblick über
die Rezeption Stifters in den böhmischen Ländern. Stifter
sei, so Maidl, nach einer längeren Phase der Nichtbeachtung
nach seinem Tod erst um die Jahrhundertwende wieder entdeckt worden.
Vor allem die Prager deutschsprachigen Literaturwissenschaftler um
August Sauer hätten hier große Verdienste. Die Rezeption
durch die tschechische Germanistik beschränke sich momentan
noch auf einige kürzere Abhandlungen, bis heute fehle auch eine
tschechische Monografie Stifters. Im letzten Vortrag betonte Dr.
Gerd Holzheimer aus Gauting die Aktualität Stifters, der z.
B. mit dem „Waldgänger“ geradezu einen „Text
der radikalen Moderne“ vorgelegt habe. Stifter habe schon damals
auf die Gefahren einer oberflächlichen Verarbeitung von Eindrücken
in der Gesellschaft hingewiesen und sein Missbehagen über die
beschleunigte Mobilisierung geäußert. Um Stifter wirklich
aufmerksam zu lesen, brauche man heute vor allen Dingen eines: Zeit,
sowie einen neuen „Mut zur Langsamkeit“. |
Der Prager Germanist Václav Maidl
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Das Böhmerwaldseminar soll zu einer festen Einrichtung in
der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit werden. Im August 2002
hatte das erste Böhmerwaldseminar in Oberplan zum Gedenken an
den vor 125 Jahren erfolgten Bau des Stifter-Obelisken am Plöckensteinsee
stattgefunden |
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