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Projekte

 

Deutsche Friedhöfe

in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien

 

Mit diesem Thema wird sich der Adalbert Stifter Verein im Jahr 2004

schwerpunktmäßig auseinandersetzen.

 

 

Friedhöfe stellen nicht nur Orte des Abschiednehmens und familiären Gedenkens dar, sondern auch kulturelle Zeugnisse. Sie spiegeln das Empfinden und Denken lokaler und religiöser Gemeinschaften, was sich in Anlagen, Grabgestaltung und Pflege manifestiert. Persönliche Trauer, religiöse Andacht, gesellschaftliches Selbstbewußtsein und nationales Gedenken verbinden sich auf Friedhöfen wie z.B. dem Wiener Zentralfriedhof, dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg und dem Slavín in Prag zu einer unverwechselbaren Sphäre öffentlicher und privater Kommunikation.

Diese Mischung ist auch auf kleinen Friedhöfen anzutreffen. Was dem Zeitgenossen allein als persönliche Abschiednahme und Grabgestaltung erschienen sein mag, offenbart dem späteren Historiker spezifische Muster der Gedenkkultur, die zeitliche, regionale und soziale Auskünfte geben. Dies wird ganz besonders dort deutlich, wo die Pflege der Gräber plötzlich abgebrochen wurde. Naturkatastrophen, Krieg, Verfolgung und Vertreibung sind die Ursachen für solche Brüche. Manchmal werden Begräbnisstätten von neuen Gemeinschaften weitergepflegt, oft aber auch gemieden und dem Zufall überlassen.

In Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien gibt es eine Vielzahl verfallener Friedhöfe, die an die Existenz früherer Lebensgemeinschaften erinnern. Bereits 1997 hat der Adalbert Stifter Verein mit einer Fotoausstellung „Jüdische Friedhöfe in Böhmen und Mähren“ vorgestellt. Nun sollen in einer zweiten Ausstellung alte deutsche Gräber gezeigt werden (mehr Informationen am Ende des Textes).

Seit der sanften Revolution 1989 werden an einigen Orten Friedhöfe restauriert, aufgrund privater, kirchlicher oder kommunaler Initiativen. Angehörige erhielten die Möglichkeit, die Nutzungsrechte für ihre Familiengräber zu erwerben und diese wieder zu pflegen.

Gleichwohl können die meisten der alten deutschen Friedhöfe nicht mehr erneuert werden. Mit der Vertreibung lösten sich auch die lokalen Lebensgemeinschaften auf, die für die Fortsetzung der Friedhofskultur unerlässlich sind. Die verbliebenen Deutschen wohnen so verstreut, dass sie als lokale Gemeinschaft nicht mehr in Erscheinung treten. Die vertriebenen Deutschen haben ihre Gräber jetzt in der neuen Heimat. Und die neuen, zumeist tschechischen Bürger, haben verständlicherweise in erster Linie die Pflege ihrer eigenen Gräber im Sinn.

Alle Maßnahmen bleiben somit punktuelle Akte, welche der Pietät des Gedenkens dienen und zugleich die Tragik des Verlustes unterstreichen. Der Umgang mit diesen Friedhöfen wird zu einer Frage der kulturgeschichtlichen Wertschätzung und der musealen Bewahrung.

…………..

Folgende Veranstaltungen zum Thema sind 2004 geplant

- Vorträge und Lesungen        

                                                                                      

- Kolloquium in Freiburg:

  "Das Gedächtnis der Orte. Sinnstiftung und Erinnerung"

  (in Zusammenarbeit mit dem Johannes-Künzig-Institut und der   Heimatpflegerin der Sudetendeutschen)

  

- Konferenz "Historische deutsche Friedhöfe" in Oberplan/Horní Planá

  

  

- Foto-Ausstellung:"Grenze zwischen Zeit und Ewigkeit. Deutsche Friedhöfe

  in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien"

   

  

- Begleitprogramm zur Ausstellung

- Herausgabe eines Begleitbandes: "Letzte Heimat.

  Grabstätten deutschsprachiger Dichter aus Böhmen und Mähren"

 - Abschluß von Nutzungsverträgen für Gräber in Tschechien   


 

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