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Friedhöfe
stellen nicht nur Orte des Abschiednehmens und familiären Gedenkens
dar, sondern auch kulturelle Zeugnisse. Sie spiegeln das Empfinden
und Denken lokaler und religiöser Gemeinschaften, was sich in Anlagen,
Grabgestaltung und Pflege manifestiert. Persönliche Trauer, religiöse
Andacht, gesellschaftliches Selbstbewußtsein und nationales Gedenken
verbinden sich auf Friedhöfen wie z.B. dem Wiener Zentralfriedhof,
dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg und dem Slavín in Prag zu einer
unverwechselbaren Sphäre öffentlicher und privater Kommunikation.
Diese Mischung
ist auch auf kleinen Friedhöfen anzutreffen. Was dem Zeitgenossen
allein als persönliche Abschiednahme und Grabgestaltung erschienen
sein mag, offenbart dem späteren Historiker spezifische Muster der
Gedenkkultur, die zeitliche, regionale und soziale Auskünfte geben.
Dies wird ganz besonders dort deutlich, wo die Pflege der Gräber
plötzlich abgebrochen wurde. Naturkatastrophen, Krieg, Verfolgung
und Vertreibung sind die Ursachen für solche Brüche. Manchmal werden
Begräbnisstätten von neuen Gemeinschaften weitergepflegt, oft aber
auch gemieden und dem Zufall überlassen.
In Böhmen,
Mähren und Sudetenschlesien gibt es eine Vielzahl verfallener Friedhöfe,
die an die Existenz früherer Lebensgemeinschaften erinnern. Bereits
1997 hat der Adalbert Stifter Verein mit einer Fotoausstellung „Jüdische
Friedhöfe in Böhmen und Mähren“ vorgestellt. Nun sollen in einer
zweiten Ausstellung alte deutsche Gräber gezeigt werden (mehr
Informationen am Ende des Textes).
Seit der
sanften Revolution 1989 werden an einigen Orten Friedhöfe restauriert,
aufgrund privater, kirchlicher oder kommunaler Initiativen. Angehörige
erhielten die Möglichkeit, die Nutzungsrechte für ihre Familiengräber
zu erwerben und diese wieder zu pflegen.
Gleichwohl
können die meisten der alten deutschen Friedhöfe nicht mehr erneuert
werden. Mit der Vertreibung lösten sich auch die lokalen Lebensgemeinschaften
auf, die für die Fortsetzung der Friedhofskultur unerlässlich sind.
Die verbliebenen Deutschen wohnen so verstreut, dass sie als lokale
Gemeinschaft nicht mehr in Erscheinung treten. Die vertriebenen
Deutschen haben ihre Gräber jetzt in der neuen Heimat. Und die neuen,
zumeist tschechischen Bürger, haben verständlicherweise in erster
Linie die Pflege ihrer eigenen Gräber im Sinn.
Alle Maßnahmen
bleiben somit punktuelle Akte, welche der Pietät des Gedenkens dienen
und zugleich die Tragik des Verlustes unterstreichen. Der Umgang
mit diesen Friedhöfen wird zu einer Frage der kulturgeschichtlichen
Wertschätzung und der musealen Bewahrung.
…………..
Folgende Veranstaltungen
zum Thema sind 2004 geplant
- Vorträge und Lesungen
- Kolloquium in Freiburg:
"Das Gedächtnis
der Orte. Sinnstiftung und Erinnerung"
(in Zusammenarbeit
mit dem Johannes-Künzig-Institut und der Heimatpflegerin
der Sudetendeutschen)

- Konferenz "Historische
deutsche Friedhöfe" in Oberplan/Horní Planá
- Foto-Ausstellung:"Grenze
zwischen Zeit und Ewigkeit. Deutsche Friedhöfe
in Böhmen, Mähren
und Sudetenschlesien"

- Begleitprogramm zur
Ausstellung
- Herausgabe eines Begleitbandes:
"Letzte Heimat.
Grabstätten
deutschsprachiger Dichter aus Böhmen und Mähren"
- Abschluß
von Nutzungsverträgen für Gräber in Tschechien

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